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Hüttentagebuch

Selbstquarantäne

Wir haben uns entschieden unsere Selbstquarantäne nicht zu lockern, sondern zu verschärfen.

Claudia hat sowieso Homeoffice und ich darf ja nicht einmal mehr in die Berge, da dies verpönt sein soll.
Und ums Haus, mit einem Radius von 10 Kilometer, habe ich nun bald alles abgelaufen; sprich einen Drittel des Kantons Glarus kenne ich bald in- und auswendig. Man könnte ja, auch bei einer leichten Skitour, einen Unfall erleiden. Dabei hatte ich meinen letzten Unfall IN der Hütte, nämlich einen Bänderriss als ich die Treppe runterrannte. Aber deswegen habe ich weder den Hausarzt, noch das Spital beansprucht. Dabei würden sie jetzt um mich kämpfen und könnten ihre Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückholen. Und somit könnte ich den Staatshaushalt entlasten, damit er mich dann besser unterstützen kann.

Da im letzten Herbst die Kontrolle des Luftschutzraumes bei uns zu Hause positiv ausfiel, möchten wir ihn endlich einmal bewohnen, schliesslich ist das DIE Gelegenheit ihn zu amortisieren. Sorgen macht mir nur, dass die Nachbarn mit uns via Panzerdeckel nicht einmal Kontakt aufnehmen können, denn das Gitter des Lichtschachtes mussten wir auch noch einbruchsicher ausstatten. Wir sind uns das ja mit der Quarantäne vom Hüttenbetrieb gewohnt, denn bei viel Arbeit, und das hatten wir in den letzten Jahren meistens, war der Radius um die Hütte auch sehr beschränkt.
Also – einmal so eine richtige Quarantäne – das macht Freude. Endlich am frühen Morgen keine Vögeli mehr zwitschern hören, den Tagesbeginn nicht mehr sehen, Büroarbeiten erledigen, den Znüni- und Zmittagskafi nicht mehr draussen geniessen, Schwätzchen hier, Schwätzchen da mit den Nachbarn, all die Thesen in den Medien nicht mehr reinziehen…. All das entfällt nun ab sofort und ganz wichtig: jetzt können wir endlich einmal die Notvorräte verzehren, bevor sie das Ablaufdatum erreicht haben oder merklich darüber sind.  
Oder soll ich vorher doch noch zu meinem Jahrescheck beim Hausarzt? Dann wäre ich sicher, dass ich gesund in den Luftschutzkeller gehen kann. Und sollte ich noch ein Gespräch mit einem Psychologen führen, ob ich überhaupt für eine Selbstquarantäne geeignet bin? Was, wenn der mir plötzlich raten würde, dass dies für Claudia ganz und gar schlecht ausgehen würde? Und was, wenn er mir empfehlen würde – 'Dir kann nur frische Luft helfen!' Ja- dann würde ich den Radius ums Haus sofort auf 20 Kilometer ausdehnen und hie und da auch die Tourenskier aus dem Haus schmuggeln und die Traumbedingungen auf Schnee geniessen und dies mit ärztlicher Empfehlung im Rucksack. Und wenn’s hoch kommt, würde mir die Krankenkasse sogar noch etwas zustupfen, weil ich einer der wenigen bin, welche ohne Folgeschäden den Lockdown überstanden hat.
Und Claudia – ja sie würde weiterhin Homeoffice machen und sich, trotz getrennten Büro’s, dank meinen Ausflügen auf die Hüttensaison freuen, welche natürlich als Hoffnungsschimmer noch immer im Hinterkopf ist.

In diesem Sinne wünsche ich Euch, zusammen mit Claudia, eine gute (dosierte) Quarantäne...
Euer Fridli 

Hüfihütte SAC - +41 (0)41 885 14 75 - Claudia und Fridolin Vögeli - huefihuette@bluewin.ch