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Hüttentagebuch

Saisonschluss

Heute Abend, nach hoffentlich noch ordentlich Tagesbetrieb, schliessen wir die Hüttentüre nach unserer ersten Sommersaison in der Hüfihütte. Es gibt viel zu berichten...

Alle diejenigen, die regelmässig Tagebuch lesen, werden hier und da sagen: "... ja genau so war's..." oder "... so hatten sie es schon mal beschrieben..." Für alle anderen ist das Folgende ein kleiner Rückblick auf unsere erste Saison hier oben :-).

Am Ende von so vielen Wochen und Monaten abseits des 'Alltages', geht mir manches durch den Kopf. Wenn ich mich frage, was wohl die schönsten Momente dieser ersten Saison waren, kommt folgendes dabei heraus:
Den grössten Eindruck hat bei mir die Hütte selbst hinterlassen, genauer gesagt die wunderschöne Terrasse. Sie ist in jedem Licht, bei jedem Wetter und in dieser prächtigen Kulisse einfach unglaublich schön. Wie oft haben wir Gäste beobachtet, die einfach (oft ganz alleine) auf dem Mäuerchen stehen und ins Tal hinab blicken. Einen Moment alleine, umgeben von der Grösse der Berge und dem Abgrund, der sich vor einem auftut. So speziell ist das und so sehr können die Gäste Kraft daraus mitnehmen. Aber auch belebt ist sie super. Am Ende konnten wir fünfmal das Abendessen draussen servieren und die Kulisse mit auf den Teller und in die Schüssel wandern lassen. Wem da das Essen nicht schmeckt ist definitiv selbst schuld... Unsere Terrassenabende waren auch sehr unterschiedlich. Mal hatten wir jeden Platz gefüllt, mal waren es nur gerade sechs Personen und bei jeder Situation hat es einfach gestimmt und alle konnten die gute Atmosphäre aufnehmen und hoffentlich für sich auch mitnehmen.
Dazu passte einer meiner persönlichen besonderen Momente, als sich spontan René und Tobias mit den Gästen auf der Terrasse versammelten und wir in den Genuss von Alphornklängen und Jodel kamen. Das war ein Gänsehautmoment, und das obwohl ich nicht gerade bekennender Fan vom Jodeln bin. Aber so direkt und so persönlich ist das etwas ganz Anderes!

Wenn ich so von der Terrasse schwärme wird mir bewusst, dass ich bei der Hütte selbst einen Moment brauchte, um mich mit ihr anzufreunden. Zwar gefielen mir von Beginn an die Räume, das Licht und die Stimmung, viele Details - an die Grösse musste ich mich doch erst gewöhnen. Überall bin ich angeeckt, zu viele Türen auf engstem Raum (die auch noch gegeneinander aufgehen), fehlender Stauraum, räumliche Kleinheit dort, wo ich Grosszügigkeit gewohnt war (Küche und Zimmer)... und doch: wenn das Ganze stimmt, dann findet man auch einen Weg, dass es am Ende eben doch passt. Und so habe ich mich (und auch Fridli) in die Situation eingePASST und nun gebe ich die Hüfi nicht mehr her :-) und freue mich schon wieder ein bisschen auf den nächsten Sommer und die neuen Ideen, die wir dafür spinnen werden. 

Zur Hütte gehört aber auch das Umfeld, was hier das ganze Maderanertal miteinbezieht. Der Gletscher ist alleine eine Wanderung wert und man kann dort problemlos einen ganzen Tag lang verplämpern. So eindrücklich sind die verschiedenen Situationen, denen man begegnet. Aber auch die Menschen im Tal sind etwas Besonderes. Wir haben das Gefühl mit 'offenen Armen' empfangen worden zu sein. Viele Einheimische oder Ferienhausbesitzer sind zu uns gekommen, haben sich die neue Hütte angesehen und uns. Viele kamen wieder und wieder und zeigen uns damit ihre Wertschätzung. Auch durften wir Bergführer aus dem Tal kennen und schätzen lernen und hoffen, noch oft mit ihnen und ihren Gästen Abende zu verbringen. Das ist etwas ganz Besonderes. Auch die Zusammentreffen mit Kurt und Tobias, denen die vielen Schafe gehören, die die Hüttenumgebung beleben, waren sehr schön und sehr persönlich. Als sie diesen Sommer gegangen sind, haben sie uns schon gefehlt und damit meine ich jetzt nicht die Schafe ;-).
Apropos 'Einheimische'. Da komme ich zum grossen Glücksfall dieser Saison: zu Julia. Dank ihr und ihrer Lust bei uns zu helfen haben wir nicht nur einen super Menschen kennengelernt, wir haben auch auf ihre tolle Unterstützung zählen können. Julia macht alles gerne und gut, sie ist praktisch und herzlich und lacht sehr gerne. Wir hoffen ganz fest, dass wir auch im nächsten Sommer Gelegenheit haben werden, zusammen die Hüfihüttenküche zu beleben! Vielen lieben Dank an Julia nochmals an dieser Stelle. 
Und wenn ich über Julia schreibe, kommt mir auch Bärbi in den Sinn. Ihr danke ich dafür, dass sie ganz spontan aus einem Tagesausflug zur Hütte zwei Tage Hüttenhilfe gemacht hat. Das war wirklich spontan und hat mir in der Situation, als dauernd mehr Reservationen hereinkamen, sehr viel Ruhe und Zuversicht gegeben. Ich freue mich schon heute auf unser jährliches Zusammentreffen, das schon bald stattfinden wird. 

Viele Gäste der Vorgängerhütte haben uns hier oben besucht - viel mehr als wir je angenommen haben. Das freut uns unheimlich und ehrt uns auch. Die allermeisten haben einen sehr langen Fahrtweg, bis sie erst einmal in Bristen sind und dann kommen noch die ca 5h Wanderzeit. Und doch haben uns mehr als 150 Gäste besucht, die wir aus dem Engadin bereits kannten. Das löst in mir ein Gefühl aus, das wärmt und dankbar macht. So viel Treue ist absolut nicht selbstverständlich und wir wissen das sehr zu schätzen. Es hat uns sogar Milena wieder im Team unterstützt, die wir von Bever her kennen und die nun in Fribourg studiert. Mehrmals kam sie zu uns, um zu helfen und uns wiederzusehen. Wir haben das sehr geschätzt und die Zeit mit ihr sehr genossen. Wir werden sehen, was ihr Studium Neues bringt und ob die Hüfi wieder Platz in ihrer Agenda finden wird. Alles hat seine Zeit - und unsere Freundschaft beeinflusst das ja nicht. Wir werden den Kontakt eh nicht verlieren. Und unsere Sudokuduelle sind mir auch sehr präsent, liebe Milena. 

Einen weiteren Höhepunkt haben wir erlebt, als wir mal im Tagebuch darüber geschrieben haben, wie sehr wir selbstgemachte Konfi mögen - und dass keine mehr da sei, die wir morgends verspeisen könnten. Ihr glaubt es kaum, aber wir wurden mit feinen Konfis gesegnet... am Ende waren es ca 15 Gläsli, von denen wir heute noch naschen und von denen wir sogar ein paar wenige noch mit ins Tal nehmen werden, damit sie auch sicher nicht schlecht werden. Vielen lieben Dank an alle, die unserem Aufruf gefolgt sind und uns seitdem jeden Morgen den Start in den Tag versüsst haben. Es war (und ist) ein Genuss!
Und weil wir gerade beim Geniessen sind, möchte ich noch die Kochkünste von Urs erwähnen, der bei uns (wieder einmal) eine Gästeküche gemacht hat. Es sind schöne Nachmittage mit ihm in der Küche und irgendwie können wir uns eine Sommersaison ohne seine lebendige Gästeküche gar nicht mehr vorstellen. Für alle, die das auch mal miterleben möchten, kommt er im nächsten Sommer wieder in die Hüfi und verwöhnt uns und Euch mit seiner vegetarischen und natürlichen Küche. 

So und nun mache ich Schluss, bevor ich unseren Systemadministrator Rolf bitten muss, die Datenmenge für das Tagebuch zu vergrössern ;-). Es gäbe noch viel mehr zu beschreiben... aber der heutige Tag erfordert auch noch ein bisschen Energie. Wir werden die Hütte nun definitiv in den Winterschlaf versetzen und hoffen nichts zu vergessen. Unser Hüttenchef Hermann und der Leiter der Hüttenwerker, René, werden heute ebenfalls zu uns rauflaufen und mit uns zusammen den Abschluss machen. Für sie ist es auch das 'erste Mal' nach der Sanierung, wo sich doch sehr viel verändert hat. Wir vier verbringen also den heutigen Nachmittag und Abend zusammen und steigen dann morgen wieder ins Tal ab. Dann ist die Saison erst einmal zu Ende, zumindest, was die Präsenzzeit in der Hütte betrifft. 

Ab und zu werden wir Euch im Tagebuch berichten, wenn es etwas interessantes zur Hüfi zu berichten gibt. Bis dahin grüssen wir Euch ganz herzlich und danken allen Lesern für ihre Treue beim Tagebuch lesen. 
Herzlich Eure Claudia und Euer Fridli (der vielleicht morgen nochmals einen Eintrag machen wird)

 

Hüfihütte SAC - +41 (0)41 885 14 75 - Claudia und Fridolin Vögeli - huefihuette@bluewin.ch